22. April 2015

Sprachliche Kreativität bei Zeichenfolgen

Softwarestrings („Zeichenfolgen“) sind fast immer kontextlos, das heißt, es ist häufig nicht bekannt, an welcher Stelle in der Softwareoberfläche die Zeichenfolge später genau verwendet wird oder um welche grammatische Struktur es sich handelt. So kann Change status beispielsweise je nach Kontext sowohl mit Status ändern als auch mit Änderungsstatus lokalisiert werden. Dies erschwert das Lokalisieren von Software enorm. Darüber hinaus zeichnen sich Softwaretexte über viele Variablen, Platzhalter, Steuerzeichen, Hotkeys, Verkettungen von Strings („concatenation“), optionale Plurale und vieles mehr aus.

Lokalisierungsexperten sind für diese typischen Merkmale sensibilisiert und können beispielsweise die Zeichenfolge Faulty %d to be deleted? so übersetzen, dass im Deutschen immer ein grammatikalisch korrekter Satz in der Software verwendet wird, unabhängig davon, ob die Variable %d durch ein maskulines, feminines oder neutrales Wort ersetzt wird. Siehe auch nachstehendes Beispiel. Hinzu kommt natürlich, dass es in Softwareprodukten immer von Fachvokabular so wimmelt, je nachdem, in welchem Bereich die Software eingesetzt wird.

Faulty be deleted

Wir verwenden außerdem bestimmte Techniken, um bei Längenbeschränkungen Zeichenfolgen kurz zu halten. Eine Längenbeschränkung ist eine Vorgabe von maximal zu verwendeten Zeichen pro Zeichenfolge. Dabei sollen nicht einfach Begriffe abgekürzt werden, schließlich muss die Verständlichkeit immer gegeben sein. Die Textsorten Software und Onlinehilfe zeichnen sich weiterhin jeweils durch andere Interpunktionsregeln als die, die in der Regel für die deutsche Sprache verwendet werden. Auch das haben Lokalisierer natürlich im Hinterkopf.

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